Im vergangenen Jahr konnte nach einer gefühlten Ewigkeit erstmals wieder eine OSC-Mannschaft einen deutschen Straßenlauftitel erringen. Dies sollte keine Eintagsfliege bleiben, weshalb wir uns in gleicher Besetzung – Klaus Goldammer, Wilfried Jackisch und Helmut Neumann – am 17. April auf den Weg ins hessische Griesheim zur Deutschen Meisterschaft im Halbmarathon machten.
Dabei hingen die Trauben recht hoch, waren doch selbst in unserer Klasse M55 neun komplette Mannschaften, zumeist sogar mit 4 Läufern, gemeldet und lag unserer Alterdurchschnitt diesmal mit 59 Jahren am ungünstigsten Ende der Spanne. Wilfried hätte sogar schon in der M60 starten können und verzichtete zugunsten einer schlagkräftigen M55-Mannschaft auf eine Medaillenchance in seiner eigentlichen Klasse, was an dieser Stelle ganz besonders gewürdigt werden soll! Auf jeden Fall wussten wir: Keiner darf schwächeln, sonst „platzt“ die Mannschaft!
Bereits vor dem Start hatten wir natürlich die möglichen Zeiten der Konkurrenz verglichen, wobei sich die in allen Klassen starke LAV Tübingen mit dem Vorjahres-Einzelsieger Bauknecht als wohl härtester Widersacher herausstellte. Doch auch wir hatten fleißig auf dieses Wochenende hintrainiert und uns einen taktischen Plan zurechtgelegt: Klaus und Wilfried sollten bei kluger Renneinteilung in der Lage sein, die beiden stärksten Tübinger zu „neutralisieren“ und Helmut dann den nächstbesten LAVer in Schach halten...soweit die Theorie.
Das Wetter meinte es am zum Mittagsstart gut mit uns Läufern, da Wolken die angekündigte Hitze noch bis in den Nachmittag hinauszögerten. Bis weit in die zweite Rennhälfte quasi als Team laufend steigerten sich Klaus (1:19:43) und Wilfried (1:21:16) dann auch teils deutlich gegenüber der Generalprobe, dem Berliner Halbmarathon, wobei Wilfrieds Zeit sogar ganz klar (weit über zwei Minuten) neuen Berliner Rekord in der M60 bedeutet – eine tolle Leistung! Und auch Klaus lief mit seiner Unter-1:20-Zeit in den Einzel-Medaillenbereich des Vorjahrs, was gegen eine ganze Reihe „Neueinsteiger“ in die M55 immerhin Platz 4 bedeutete.
Wir waren damit sehr zuversichtlich, einen großen Schritt zur Goldmedaille getan zu haben. So richtig den Überblick, wo genau wir mit diesen Zeiten lagen, hatten wir allerdings nicht, da der DLV einmal mehr nicht in der Lage war, dafür zu sorgen, dass wenigstens auf den Rückennummern der Meisterschaftsteilnehmer die Altersklassen kenntlich gemacht werden. Im nahezu 600-köpfigen Starterfeld tummelten sich rund 30 Läufer verschiedenen Alters im Tübinger Trikot – wie sollten wir da erkennen, wer unser direkter Gegner ist und wer nicht?
Ein paar Minuten bangen Wartens im Ziel, und dann stürmte auch Helmut nicht weit hinter der prognostizierten Zeit über die Linie (1:28:20). Damit waren wir „Alten“ sogar schneller, als die Tübinger Siegermannschaft des Vorjahrs, doch würde es auch diesmal reichen? Umso größer die Freude, als wir erfuhren, dass nicht nur unsere Hauptkonkurrenz „geplatzt“ war – hatten die sich etwa wegen uns übernommen? – sondern die nächst besten Mannschaften mit 7 bzw. 8 Minuten Rückstand in der Zeitaddition mehr als deutlich zurück lagen.
Das äußerst erfreuliche Fazit: Titeleroberung auch 2011 gelungen – die Senioren des OSC Berlin sind für ein weiteres Jahr Deutscher Mannschaftsmeister im Straßenlauf!
KG/20.4.11