Ein Leben für den Sport:

Der Meeting-Macher Rudi Thiel

 

(Jürgen Demmel)

 

Zwei bemerkenswerte Daten und eine bemerkenswerte Laufbahn: Am 4. April 1928, also vor 90 Jahren, wurde Rudolf Thiel geboren, am 1. März 1943 vor nunmehr 75 Jahren trat er dem TSV Schöneberg bei, einem der Vor-Vereine, aus dem 1949 der Olympische Sport-Club wurde.

 

Neun Jahrzehnte zu durchleben allein ist schon etwas, das die jüngeren Generationen staunen lässt, beinhaltet dieser Zeitraum doch gravierende gesellschaftliche Veränderungen, die Herrschaft des Nationalsozialismus, den zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau des zerstörten Berlins, die Teilung dieser Stadt und das wieder Zusammenfügen der beiden deutschen Teile.

 

Rudi Thiel ist Bau-Ingenieur und Architekt. Er hat in Berliner Senatsdiensten an der Philharmonie und der Nationalgalerie mitgebaut. Und er ist auch Leichtathlet. Er war aktiv auf den Mittelstrecken unterwegs. Er weiß, wo das Ziel ist und wie lange man laufen muss, um es zu erreichen. Der Sport hatte ihn von Anfang an gepackt. Als die eigene Wettkampfzeit sich dem Ende zuneigte, richteten sich seine gestalterischen und organisatorischen Interessen auf die Wettkampfveranstaltungen. Schon 1950 hat er bei der ISTAF Organisation mitgearbeitet. Etwas, das ihn nicht wieder loslassen sollte. Zwangsläufig fand er sich in verschiedensten Funktionärsfunktionen des OSC, um von dort den Blick auf das zu richten, was heute mit „Event“ bezeichnet wird: Der Gestaltung von Leichtathletikveranstaltungen, die neben dem sportlichen Wert für die Athleten und Athletinnen auch ein besonderes Publikumsinteresse wecken sollten.

 

Zu den 700-Jahr-Feiern Schönebergs im Jahr 1964, hatte Rudi Thiel die Idee, aus anderen europäischen Hauptstädten jeweils einen Verein nach Schöneberg zu einem „Berlin-Meeting“ einzuladen, zu einem leichtathletischen Wettkampf nach Länderkampfmuster. Daraus hat sich dann eine Reihe von Meetings entwickelt, die die OSC Sportlerinnen und Sportler u.a. nach London, Bern, Stockholm führten. Im gleichen Jahr 1964 übernahm er im OSC die Funktion eines Hauptsportwarts und wurde Mitglied im ISTAF-Vorstand. 1968 übernahm er dort die Funktion des Meeting-Direktors.

 

Für seine Ideen, Pläne und Ziele hat Rudi immer mit Beharrlichkeit, mit großer Überzeugungskraft gekämpft. Meistens mit Erfolg. Manchmal auch mit fast komischen Ergebnissen. Als die Fahrt einer OSC-Frauenmannschaft von Berlin nach Westdeutschland daran zu scheitern drohte, dass ihr PKW in der langen Schlange der Wartenden vor der Grenze zur DDR stecken blieb, redete er so lange und „wichtig“ auf Westberliner Polizisten ein, bis diese seine Truppe mit Polizeibegleitung an der langen Schlange vorbei direkt an die Grenze geleiteten. Die dortige Volkpolizei übernahm, entgegen allen politischen Gepflogenheiten sogar die bevorzugte Abfertigung. Man kam pünktlich zum Wettkampf ans Ziel.

 

Nur mit dieser Beharrlichkeit und Überzeugungskraft konnten auch seine von Visionen getragenen Pläne von großen Sportveranstaltungen in Berlin Wirklichkeit werden. Das Ergebnis: Für 30 ISTAF-Veranstaltungen, 18 Internationale Springermeetings, 15 Internationale Hallensportfeste und dutzende Vereinsveranstaltungen war er Planer und Organisator. Zur Entwicklung der Leichtathletikveranstaltungsreihen Golden League und German Meetings war er Ideengeber und treibende Kraft. Eine Leistung, die so schnell wohl kaum jemand überbieten kann. Berlin – und bis Anfang der 90er-Jahre insbesondere der westliche Teil der durch die Mauer getrennten Stadt – hat so manchen glanzvollen sportlichen Höhepunkt erleben dürfen. Natürlich ist kaum anzunehmen, dass sich in dieser langen Laufbahn Erfolg an Erfolg reihen konnte, ohne dass auch Rückschläge verkraftet werden mussten. Mit dem Aufstieg der Meetings zu internationaler Größe wurden auch die Sport-Akteure immer teurer, die Sponsoren weniger freigiebig und mit dem Eintrittskartenverkauf der Veranstaltungen war auch keine gesunde Finanzbasis herstellbar. Es entwickelte sich ein wahrer Teufelskreis. Nur mit teuren Athleten war scheinbar noch Attraktivität herstellbar, aber für Sponsoren bot die Leichtathletik nicht mehr genug Anreiz, mitzugehen: Die Springermeetings mussten eingestellt werden.

 

Einen Ausweg schien die Marketinggesellschaft der Fifa (ISL) zu bieten, die einen Pool von Sponsoren anbot. Sehr verlocken, da alles aus einer Hand angeboten wurde. Zu verlockend allerdings, denn der Preis war die völlige Abhängigkeit von dieser Gesellschaft. Und so kam es zum bittersten Tiefschlag für Rudi Thiel. Ausgerechnet zur Jahrtausendwende, als Rudi erwog, sich aus der aktiven Veranstaltungsorganisation zurückzuziehen und in einer außerdem sehr angespannten Finanzsituation, ging ISL in die Insolvenz. Der ISTAF-Gesellschaft blieb sie 1,8 Mio. Schweizer Franken schuldig und von den durch die ISL geprellten Haupt-Sponsoren, wollte niemand sein Engagement direkt mit der ISTAF – Gesellschaft fortsetzen. Die ISTAF-Gesellschaft ging ebenfalls in die Insolvenz.

 

Aus dem Kreis der ganz großen Veranstaltungen verschwand das Internationale Stadion-Fest (ISTAF) zwar, die Traditionsvereine sind auch nicht mehr beteiligt, aber es fand sich eine Gesellschaft, die die Veranstaltung inzwischen in kleinerem Rahmen weiterführt. Leidtragende in diesem Finanzstrudel war aber nicht nur die ISTAF-Gesellschaft, es waren auch ihre drei Gesellschafter, die Vereine OSC, SCC und BSC, die an den Rand ihrer Existenz gebracht wurden. Diese traurige Entwicklung am Ende der Ära Thiel verschattet die Gesamtleistung, kann aber die Vielzahl der Erfolge nicht in den Hintergrund stellen.

 

Rudis Verein, der Olympische Sport-Club Berlin, das Land Berlin, der Bund und die nationalen und internationalen Verbände haben seine Leistungen, vielleicht sollten wir sagen, sein Lebenswerk, ehrend anerkannt und ihn im Laufe der Jahre mit all ihren Auszeichnungen dekoriert. Es ist eine sehr lange Liste von den höchstens Sportauszeichnungen bis zum Bundesverdienstkreuz am Bande.

 

OSC Veranstaltungen

 

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Aktuelle Trainingsgruppen

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Einstieg jederzeit,

mit einem vierwöchigen kostenlosen Schnuppertraining.

Telefonische Anmeldung oder Mails sind nicht nötig.

Diese Info gilt für alle Altersklassen.

 

Hinweis auch auf Freizeit-

sport, wie z.B.

Frauengymnastik

 

Geschichte der

Leichtathletikabteilung

 

Wer sich schon immer gefragt hat, wie lange gibt es eigentlich die OSC-Leichtathletikabteilung, findet hier , faktenreich beschrieben von Jürgen Demmel, die passende Antwort!

 

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aktualisiert!!


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